The Visit

Diesmal ging es an den Kotti. Wir besuchten „The Visit“. Lest, was die beiden Touristen sagen:

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Norman meint:

Im Goltzstraßenkiez ist eine Eröffnung angekündigt, am Kotti gibt es bereits ein „The Visit“. Aus der U-Bahn kommend frage ich mich, wo das hier genau sein soll, so ein Laden müßte doch ein Fremdkörper mit größtmöglicher Distanz zum ortsüblichen Gastronomieangebot sein. Des Rätsels Lösung: Man ist in einen Hinterhof ausgewichen.

20161026_181005.jpgDer Laden ist klinisch weiß, alles sehr reduziert – um kurz nach sechs Uhr aber auch schon ziemlich leer. Ludwig und ich bestellen aus dem etwas kryptisch formulierten Angebot, das recht hoch über der Theke hängt; alles atmet die Atmosphäre einer Weihestätte für Kaffee.

Ludwig startet mit einem Flat White, ich mit einem Espresso. Der Kaffe schmeckt intensiv. Ludwig spricht von malzig, ich sage säuerlich. In der zweiten Runde sucht offenbar jeder von uns bewußt eine andere Note. Ludwig entscheidet sich für einen Cortado, ich für einen Latte. Beide sehen ungewohnt aus und schmecken auch anders als erwartet. Der Cortado kommt in einer größeren Espressotasse und ist wohl ohne Kondensmilch, der Latte kommt in einer Cappuccinotasse und wirkt auch geschmacklich so.

Am Ende sitzen wir vereinsamt und auch etwas Kaffee-unglücklich da, während draußen um den Kotti das Leben tobt. Ich bin neugierig, wie lange sich „The Visit“ hier halten wird, und zögere gleichzeitig, dem Laden einen zweiten Besuch abzustatten. Aber vielleicht ist zu anderen Zeiten mehr los und ich suche mir einen Kaffee aus, der mir besser schmeckt.

Und das sagt Ludwig:

Manche Menschen, die Berlin nur aus den Medien oder von Diskussionen um den Länderfinanzausgleich kennen, glauben ja, alles, was am Kotti und in dessen 5 Kilometer-Bannkreis gehört, sei als eine „No-Go-Area“ zu bezeichnen.

Denen möchte ich das „The Visit“ auf jeden Fall empfehlen. Denn hier ist alles sauber, gepflegt, irgendwie cool und fast schon ein wenig steril. Jedenfalls anders, als das gepflegte Halbwissen über unsere Hauptstadt vermuten ließe.

Aber zurück zum Anfang: Ich sperre mein Fahrrad an einem Straßenschild ab und frage mich – ähnlich wie Norman – wo dieses Café denn nun eigentlich sein soll. Hier gibt es Döner, Pizza, Currywurst en masse. Aber Kaffee? Also richtigen?

20161026_190513.jpgMan muss ein bisschen suchen, muss sich die vielen blinkenden und leuchtenden Schilder sehr genau ansehen, bis man den Hinweis auf den Hinterhof findet, in dem sich unser Ziel versteckt. Und schon in der Passage dorthin findet man dann das erlösende und bestätigende Wort in Leuchtschrift präsentiert: „We have coffee!“ Hier sind wir richtig!

Wie durch einen Tunnel in eine andere Sphäre geht man auf den Eingang des „The Visit“ zu, und muss bei dem Titel ein wenig an einen Science-Fiction- oder einen Horrorfilm denken.

Beim Betreten des Cafés kommt mir dann aber eher das Michael Jackson-Video „Scream“ in den Sinn, denn irgendwie ist alles weiß und hell und minimalistisch – wie in diesem (übrigens großartigen) Video von Mark Romanek.

In der Mitte befinden sich kleine Tische mit Alu-Stühlen, auf der rechten Seite befinden sich Stufen mit Designertischen, die irgendwo zwischen exklusivem Großstadtinventar und Ikea liegen. Natürlich sitze ich genau dort, denn Stuhl und Tisch kann ja jeder…

Ich sage dem Barista an der Bar kurz Bescheid, dass ich mit meiner Bestellung noch warten möchte, worauf er mir ein freundlich-entschuldigendes: „Sorry, only English“ antwortet.

Und so langsam wird mir klar, was das hier ist. „The Visit“ ist ein Experiment. Es probiert aus, wie ein Café, das eigentlich ganz anders ist als seine Umgebung, in eben diesem Umfeld funktioniert. Wäre der Laden irgendwo in Prenzlauer Berg oder Mitte, er wäre ein Ort von vielen. Hier aber fällt er wirklich auf. Zumindest in der Theorie. Denn offensichtlich fällt er an einem Mittwochabend niemandem auf. Er ist fast komplett leer…

Es gibt Kaffee, der nach dem Punktesystem bewertet und so auch auf der Karte deklariert wird.
Dort steht dann nur: „88 Points up – 5.00 EUR“. Wer das verstehen soll, kann ich mir nicht wirklich erklären, denn vermutlich trifft man hier nicht unbedingt die wissenden Feinschmecker des Kaffeegenusses. Aber vielleicht ist dies ja auch ein gutes Konzept, mit den Menschen hinter der Theke ins Gespräch zu kommen.

20161026_181536.jpgWährend wir auf unserer nicht geraden bequemen, aber irgendwie exklusiven Sitz-Stufe verweilen, denke ich mir, es könnte sich hier auch genauso gut um eine Kantine eines aufstrebenden Startups handeln und vermutlich hätten wir uns nicht mal fragend angesehen, wenn plötzlich eine Gruppe von jungen Männern mit Bart und MacBooks unter dem Arm an einem der Tische Platz genommen hätte. Steckdosen dazu sind jedenfalls vorhanden.

Wir bleiben nicht lange, das Café schließt ohnehin um 19 Uhr und als wir wieder durch den Hinterhof zurück auf die Straße kommen, bin ich fast ein bisschen froh, wieder mitten im Stadtleben zu sein.

„The Visit“ ist schick, im hinteren Bereich, wo beim Startup die Tische mit den iMacs wären, befindet sich die eigene Rösterei. Und der Kaffee schmeckt auch sehr gut, wenngleich mich der Cortado etwas irritiert, weil er in Wirklichkeit ein Espresso Macchiato ist. Das mag eine Kleinigkeit sein, aber steht doch irgendwie symbolisch dafür, dass hier irgendwas nicht so recht passt.

Auf dem Nachhauseweg glaube ich, den entscheidenden Fehler gefunden zu haben: Das „Visit“ hat keine Seele, es fehlt der Herzschlag, in dessen Takt man sich bewegen möchte, wenn man sich an eine Location begibt, die man für eher außergewöhnlich hält. Hier fühlt man sich aber als Teil oder Betrachter eines Konzepts, man fühlt sich nicht aufgehoben, bleibt Fremdkörper. Den Kaffee gibt es dort auch „to go“.

 

Sector – An der Grenze der Belanglosigkeit

Diesmal ist uns die Tour etwas verunglückt. Aber lest selbst.

Das sagt Norman:
12. Juli 2016, Betriebsversammlung im „taz Café“. Ludwig und ich treffen uns in der Rudi-Dutschke-Straße, um unsere leider etwas notleidend gewordene BeKaTou wiederzubeleben – und dann das: geschlossen! Also befragen wir unsere Mobiltelefone und ihre eingebauten Helferlein, aber irgendwie haben um 17 Uhr die in diesem Teil von Mitte gelegenen Kaffeeausgabestellen bereits geschlossen, außer natürlich Einstein und Starbucks in der Friedrichstraße. Wir irrten etwas umher und landeten schließlich im Hotel „The Wall“ in der Zimmerstraße, unweit diverser Mauer-Sightseeinggelegenheiten. Hier gab es Kaffee, freilich nur das Standardangebot. Auf futuristischen Sitzmöbeln – erstaunlich bequem – tranken wir Cappuccino und Milchkaffee. Dabei schmiedeten wir Pläne für ein erneuertes Blogkonzept.

Und Ludwig sieht das so:
Ein Ziel unserer inzwischen schon über zweijährigen Tour ist ja immer, möglichst viele verschiedene Kaffees zu testen. Und deshalb war ich sofort dabei, als Norman vorschlug, doch mal ins „taz-Café“ in der Rudi-Dutschke-Straße zu gehen.

Wir vereinbarten, uns vor dem Eingang zu treffen und ich war diesmal als Erster da.
Ich wartete ein paar Minuten und versuchte schonmal, einen ersten Eindruck von außen durch die Fenster zu gewinnen.
Ich fühlte mich ein bisschen an eine Mensa erinnert. Nicht gerade gemütlich, aber auch nicht ungepflegt. Außerdem mit einer Art Empore, auf die eine Treppe nach oben führte. Allerdings bis auf eine kleine Gruppe an einem größeren Tisch: Nichts, aber auch gar nichts los. Und das an einem Freitagnachmittag 100 Meter vom Checkpoint Charlie entfernt. Merkwürdig…

Die Auflösung folgte wenige Minuten später, als Norman mir schließlich gut gelaunt entgegenkam und wir durch die Glastür gingen.

Plätze gab es genug, also… „Hi, sorry, wir haben heute eine Betriebsversammlung und daher geschlossen“. Die Erklärung kam aus der Gruppe, die um den Tisch versammelt saß. „Aaah. Ok. Dann ein anderes Mal“, antworteten wir und gingen wieder durch die Glastür- diesmal in die andere Richtung. Und da haben wir dann auch den kleinen Zettel gesehen, der auf die „interne Veranstaltung“ hinwies.

Nun gut, dachten wir und zückten gleichzeitig unsere Smartphones. Was sagt uns denn Google? Wo ist das nächste Café, das sehnsüchtig darauf wartet, von uns getestet zu werden?

Ich will das hier jetzt etwas abkürzen, denn es sollte eine ganze Weile dauern, bis wir an diesem Frühabend vor einer Tasse Kaffee sitzen sollten. Entweder, die in Frage kommende Lokalität war geschlossen, oder es handelte sich um eine „To Go“- Variante, die wir für unsere Tests als unpassend erklärten.


Wir landeten schließlich doch wieder in der unmittelbaren Nähe des Checkpoints, im „Sector“ am Hotel „The Wall“.

Und damit ist eigentlich alles gesagt: Das Café ist keines, sondern eine erweiterte Lobby, die – so vermutet man – in Wirklichkeit zu jenem Hotel gehört und zu dem es auch einen direkten Durchgang gibt.

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Es ist gepflegt eingerichtet, auf einem Tischchen steht ein echtes altes Telefon. Es ist nett, aber das ist ein Dackel auch – wie man im süddeutschen Raum so schön sagt.

Das „Sector“ ist belanglos und wir haben es bereits beim Verlassen wieder vergessen.

Kein bleibender Eindruck, Kaffee war ok, die Preise auch. Aber Ok ist der kleinere Bruder von „Is mir egal“.

Ach ja: Einen positiven Punkt gibt es aber doch noch, Norman hat es bereits angeteastert: Wir haben das Konzept der BeKaTou mal wieder ein bisschen verfeinert: Wir werden jetzt im Wechsel ein eher klassisches und ein Café probieren, das so originell und ausgefallen wie möglich sein soll. Wer also Tipps hat: Nur her damit! Am besten in die Kommentare!

Fremdgegangen: Wie für Instagram geschaffen – Das Cafe Lotti in München

Achtung liebe Berlinerinnen und Berliner, in diesem Beitrag geht es nicht um Berlin. Es geht um München. Norman hat ja schonmal sowas Verrücktes gemacht und hier ein Café besprochen, das gar nicht in unserer Hauptstadt liegt. Also darf ich das ja wohl auch mal!

Das Café Lotti, um das es hier geht, befindet sich in München – meiner Geburtsstadt. Und nachdem wir zu den Hochfesten regelmäßig mit der ganzen Familie in die Bayerische Landeshauptstadt kommen, hat sich auch diesmal, zu Ostern, die Gelegenheit ergeben, ein Café dort zu besuchen.

img_1039So ganz freiwillig war es dabei gar nicht, denn wir hatten ein Familienfest – eine Taufe. Und dafür haben wir eine „nette Location“ gesucht, die für alle gut erreichbar sein sollte.

Was die Erreichbarkeit angeht, ist das Café Lotti schonmal perfekt. In der Schleißheimer Straße, Ecke Gabelsberger Straße gelegen, geht man von der U-Bahn Haltestelle Stiglmeier Platz keine fünf Minuten bis zur Eingangstür.

Aber dazu noch eine Vorgeschichte, die leider unvermeidlich ist, weil sie sehr gut zeigt, warum vieles in München nicht so läuft, wie es sollte – in der selbsternannten „Weltstadt mit Herz“.

Auf der Suche nach einem geeigneten Café für unsere kleine bescheidene Feierlichkeit sind wir nämlich zunächst auf das Kafehaus Karameel in München-Neuhausen gestoßen.

Ich fand es sehr ansprechend: Tolle Einrichtung, gutes Angebot, gut gelegen. Mit einem kleinen aber entscheidenden Haken: Für eine 2-stündige Reservierung mit 20 Leuten für „Kaffee und Kuchen“ wollte man eine Umsatzgarantie von 550 Euro. In Worten: Fünfhudertfünfzig. Wir haben dankend abgelehnt: „Dann soll es leider nicht sein“.

Weil dies für sich spricht, möchte ich es gar nicht weiter kommentieren – es soll sich jeder sein Urteil bilden.

Glücklicherweise geht es (auch in München) noch immer auch anders und im Nachhinein stellte es sich als wahrer Glücksfall heraus, dass uns das „Karameel“ nicht wollte.

So stießen wir nämlich auf das „Lotti“ – das übrigens ebensogut mitten in Berlin zu finden sein könnte. Am Prenzlberg oder in Mitte zum Beispiel.

Allein ein kurzer Blick auf die Website zeigt die gesamte Philosophie, das das sympathische Team des kleinen Cafés in der Maxvorstadt verfolgt:

img_1053Alles wird entweder selbst zubereitet – „ohne Farb-, Geschmacks- oder Konservierungsstoffe“ oder kommt von Lieferanten, die man kennt und mit denen man ein „freundschaftliches Verhältnis“ pflege.

Beeindruckend dabei folgender Satz:
„Sie müssen als Unternehmer die gleichen Werte, Motive und Ziele haben wie wir, nämlich dass eben alle ihr Produkt lieben, es mit ganz viel Liebe und Herzblut herstellen, Wert auf höchste Qualität legen, respektvoll mit Mitmenschen und auch Tieren umgehen und alle im weiteren Umkeis von München leben und arbeiten.“

Auch selbstgemachte Marmelade kann man dort übrigens kaufen.

Wenn man das „Lotti“ betritt, hat man eher das Gefühl, zu jemanden in die Wohnung zu kommen, eingeladen zu sein, auf ein oder zwei Tässchen vorbei zu schauen – und ganz automatisch ruft man ein freundschaftliches „Hi“ Richtung Theke. Als sei man hier schon längst Stammgast.

Es gibt kleine Nischen, Tischchen, eine größere Tafel in der Mitte eines angedeuteten Nebenbereichs und eine Spielecke für Kinder – inklusive Rückzugsort für stillende Mütter. Der Wickeltisch befindet sich übrigens in der (top-gepflegten und makellos sauberen) Herrentoilette.

Würde ich aus dem Stand zwei Adjektive finden müssen, um dieses Schmuckstück im eher unscheinbaren Teil der Schleißheimer Straße zu beschreiben, dann würde ich „liebevoll“ und „verspielt“ wählen, wobei Letzteres weit davon entfernt ist, ins Kitschige zu rutschen – auch, wenn die dominierende Farbe des Interieurs ein warmes Rosa ist.

Jeder, der einen Instagram-Account hat, kann sich im Lotti so richtig austoben, denn fast jede Ecke, jede Perspektive, eignet sich perfekt für ein Post auf der Fotoplattform – #nofilter, versteht sich!

img_1038 img_1037Das Team – hier packen alle an – ist sympathisch und zurückhaltend und auch mit Kindern (die nicht immer nur still am Tisch sitzen) fühlt man sich willkommen. Es gibt sogar Spiele und Bücher für die Jüngsten – neben Mode- und Fitnesszeitschriften für die Eltern.

W-Lan gibt es natürlich auch – und die Preise für Speis und Trank sind (vor allem für Münchner Verhältnisse) absolut fair.

Der selbstgemachte Kuchen ist großartig und man schmeckt es ihm an, dass er selbst zubereitet und nicht am Fließband hergestellt wurde – mit Liebe und ohne das ganz Außergewöhnliche und Hippe präsentieren zu müssen. Einfach guten Kuchen.

img_1049Neben sehr gutem Kaffee (Ich empfehle neben den Standards vor allem „kalter Kaffee Lotti“ – Espresso, kalte Milch und Vanillesirup) gibt es noch eine ganze Reihe anderer Heißgetränke – unter anderem diverse Sorten von Trinkschokolade (kein Billig-Kakao).

Ein bisschen schade ist, dass laktosefreie oder Sojamilch 60 ct Aufpreis kosten. Warum, weiß ich ehrlich gesagt nicht und kann es mir auch nicht wirklich erklären.

Neben Getränken (auch kalt und alkoholisch) gibt es ein nettes Frühstücks- und Mittagsangebot (inklusive Gutes für Vegetarier und Veganer). All das kann man sich auch online ansehen.

Das Café Lotti macht kein Geheimnis daraus, dass es sich vor allem an die MünchnerINNEN richtet, es gibt ein Frauennetzwerk und einen Stricktreff. Aber auch Männer dürften sich hier wohlfühlen – ich jedenfalls fühlte mich bestens aufgehoben. Schade eigentlich, dass das „Lotti“ nicht in Berlin zu finden ist, wo es eigentlich fast schon hingehört. Aber München braucht solche Kleinode dringender – deswegen gönn ich es meiner Geburtsstadt umso herzlicher. Mehr davon!

 

 

 

Chapter One – ein neues Kapitel Kaffeegenuss

Diesmal waren wir in einem kleinen Café in Kreuzberg: Wir besuchten das Chapter One.

Was meint Norman:

Endlich wagen wir Berliner Kaffeehaustouristen uns vor auf das unbekannte Terrain des Third Wave Coffee. Dazu geht es nach Kreuzberg an den Marheinekeplatz ins Chapter One. Dort ist alles sehr minimalistisch.

Wir schauen uns die Karte und allerlei interessante Apparaturen an und bestellen dann mutig: Ludwig einen Colddrip, ich einen Brühkaffee – wobei ich Bohnen aus Kolumbien wähle.
Der Colddrip entpuppt sich als kalter Kaffee (was der Internetrechercheur Ludwig natürlich schon wußte, während ich eine besonders raffinierte Zubereitungsart vermutet hatte). Ludwig lobt den malzigen Geschmack, ich darf auch probieren und verziehe das Gesicht: nicht mein Geschmack.

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Mein Brühkaffe ist sehr hell, schmeckt überhaupt nicht so, wie man Kaffee kennt, entwickelt üppige florale Noten und ist gar nicht bitter. Allerdings wird er recht schnell kalt, was ihm in meinen Augen geschmacklich nicht bekommt.

Die zweite Runde fällt traditioneller aus, damit wir auch einen Vergleich zu unseren bisherigen Stationen haben. Ludwig nimmt nun den obligatorischen Cappuccino, ich einen Flat White. Beide schmecken sehr gut, mit kräftigem Kaffeearoma und ordentlichem Schaum, der hübsch verziert wird.

Für mich insgesamt – auch aufgrund des kargen Ambientes –  eine gemischte Bilanz. Been there, done that.

 

Und so sieht es Ludwig:

Eigentlich ist Café schon fast ein bisschen übertrieben. Das Chapter One ist eher eine Kaffee-Bar, mitten in Kreuzberg. Unscheinbar, in einer Seitenstraße versteckt, von außen kaum zu erkennen.

Beim Chapter One wirkt wenig inszeniert, außer die kleinen Gags, die sich hin und wieder finden, wie zum Beispiel das Türschild „Sorry, we`re dead“ oder die Minibildchen unter den Wandlampen.

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Schon beim Blick auf die Bar wird schnell klar, warum das alles so unspektakulär ist: Hier konzentriert sich alles auf den Kaffee, hier zählen nur Inhalte.

Und die haben es wirklich in sich: Es gibt hier keine verrückten Geschmacksvariationen mit Sirup-Sahne-Combis. Hier gibt es Kaffee in einigen wenigen Varianten, die Karte an der Wand ist schnell studiert.

Zum Beispiel gibt es Colddrip, also kalten Kaffee, der aus dem Kühlschrank kommt und mit Eiswürfeln serviert wird.

Das Ganze gibt es auch mit Milch – und dem aufmerksamen Kunden bleibt nicht verborgen, dass es sich hier nicht um billige Supermarktmilch handelt, sondern um DEMETER-Milch aus der Tüte. Das gibt bei mir einen ganz dicken Pluspunkt: Hier liebt jemand, was er macht und das beste ist gerade gut genug.

Man bestellt an der Bar und wartet, bis das Getränk fertig zubereitet ist – wobei die Zubereitung keine Massenabfertigung ist, nein: sie wird zelebriert.

Dabei wirkt nichts gekünstelt. Nicht mal die Barista sind irgendwie aufgesetzt. Sie versuchen weder, überfreundlich, noch übertrieben cool zu sein. Sie sind einfach da, weil sie gerne da sind.

Als ich meinen Geldbeutel an der Bar zücke, nachdem ich meinen Kaffee hingestellt bekomme, sagt der Barista: „Machen wir später“. Und so stellen wir uns an die Seite und genießen.

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Über den (wirklich sensationellen) Geschmack hat Norman ja schon geschrieben (und was nicht so begeistert…;-)). Ich muss es aber nochmal tun, weil das wirklich etwas vollkommen Außergewöhnliches ist. Der Kaffee hat einen malzigen Geschmack, er ist kräftig und bleibt – fast schon wie ein schwerer kräftiger Wein – lange auf der Zunge.

Durch den ohnehin gekühlten Kaffee schmelzen auch die Eiswürfel nicht, sodass es zu keiner Verwässerung kommt. Ich bin wirklich begeistert.

Auch der (eigentlich eher gewöhnliche) Cappuccino, den ich danach trinke, schmeckt anders, besser, neuartiger, als ich es erwartet hatte. Offensichtlich verwenden die Barista hier äußerst interessante Bohnensorten.

Das Chapter One schlägt ein neues Geschmackskapitel bei mir auf. Es ist kein Kaffee, in dem man lange sitzen bleibt, denn gemütlich ist es nicht.

Die Atmosphäre ist dennoch angenehm. Man ist dort gerne. Nicht ewig. Aber auf ein oder zwei Kaffees gerne…

Karaca

Jetzt schläg’s dreizehn! Denn das „Karaca“ ist das dreizehnte Café, das in diesem Blog erwähnt und getestet wird.

Mal sehen, was Norman dazu sagt:

Karaca, ein türkischer Name, der „Reh“ bedeutet, schmückt dieses moderne Café unweit des Naturkundemuseums. Modern, klar und auch ein wenig spärlich besucht ist der Laden, als ich ihn um kurz vor 16:30 an einem Freitag im Dezember betrete. Als Ludwig dann dazukommt, verlassen die anderen Gäste – natürlich rein zufällig – das Karaca und es dauert etwas, bis sich wieder ein paar neue hierher verirren. Erstaunlich, denn wir sind nicht in einem müden Außenbezirk, sondern an der Chausseestraße.

Und am Kaffeeangebot kann es eigentlich auch nicht liegen: Es gibt das heute erwartete Standardangebot, keine Mätzchen, aber auch keinen Oma-Kaffee. Zwar wirkt die junge Frau an der Kaffeemaschine nicht gerade hochprofessionell, aber was sie uns hinstellt, ist geschmackvoll.

IMG_9903IMG_9904Ludwig beginnt mit einem Cappuccino, ich mit einem Mokka. Bis auf den Umstand, dass der Milchschaum nicht warm genug ist, gibt es nichts zu bemängeln. Irgendwie gerät der Kaffeetest aber auch zur Nebensache, angesichts unserer Diskussion über die politische Lage in Deutschland und Europa.

Schließlich nehmen wir aber doch einen Anlauf zur zweiten Runde, die für Ludwig aus einem Latte mit Sojamilch und für mich aus einem Latte mit Kuhmilch besteht. Zunächst verwechseln wir die nicht gekennzeichneten Gläser, sind dann aber mit unserer jeweiligen Wahl zufrieden.

Mein Fazit: Wenn man in der Nähe ist und sich ungestört unterhalten will, ist das ein guter Ort. Wer mehr auf den besonderen Kaffee aus ist, aber die Enge nicht scheut, sollte lieber in die Espresso-Ambulanz Ecke Oranienburgerstraße/Friedrichstraße gehen.

Und so sieht das Ludwig:

Das Karaca liegt, wie bereits erwähnt, zentral (direkt an der U-Bahnstation Naturkundemuseum) und wirkt von außen doch irgendwie unscheinbar. Und auch wenn der Name in großen Lettern an den Fenstern steht, kann man es zwischen Geschäften, der Tram und den vielen Autos auf der Chausseestraße durchaus leicht übersehen.

Vielleicht ist diese Unscheinbarkeit, mit der man hier einfach nicht auffällt, der Grund, warum es fast leer ist, als ich reinkomme.

Was mir sofort auffällt – weil sie mir immer auffällt, wenn sie gut ist – ist die Musik im Café. Es läuft das Debutalbum von Namika und wenn man mich mit einer meiner Lieblingsplatten des (nun fast schon vergangenen) Jahres begrüßt, kann man schon mal nicht so dramatisch verlieren. Ja, so einfach ist das manchmal bei mir…

Dass das Café über W-Lan verfügt und für Vegetarier und Veganer bestens geeignet ist (Veggie- Snacks und zwei verschiedene Soja- Sorten für den Kaffee), muss man in Mitte eigentlich nicht extra erwähnen, freut mich aber trotzdem.

Wir gehen an die Bar, bestellen und nehmen unsere Getränke auf einem kleinen Tablett in die „Espresso Lounge“, die sich im hinteren Teil des Raumes befindet

IMG_9911 IMG_9906Das Karaca erinnert ein bisschen an eine riesige Einraumwohnung, mit einem großen Holztisch und Barhockern drum herum, einer kleinen Zeitschriftenecke neben dem Eingang, die große, küchenartige Bar, auf die man blickt, wenn man durch die Glastür kommt und eben besagtem Loungebereich über der eine sehr stylische Deckenlampe mit Wald-Design hängt.

Hinten, neben einer durch einen Vorhang verhüllten Abstellecke befindet sich dann noch eine m/w Toilette, die gepflegt ist und ebenfalls an ein WC in einer Wohnung erinnert.

Man fühlt sich wohl im Karaca und die Preise sind für die Lage des Cafés absolut in Ordnung. Das Personal ist nett, wenn auch nicht überfreundlich, man bekommt Flavour-Shots für einen kleinen Aufpreis, muss dafür aber nicht extra seinen Namen sagen und der Kaffee schmeckt ausgezeichnet.

Neben Kaffee und Snacks kann gibt es  auch noch Kuchen, Smoothies und lustige Postkarten zu kaufen.

Das Karaca ist wohnlich, ohne gemütlich zu sein, nett eingerichtet aber nicht überstylt.

Für lange Gespräche eignet sich dieser Ort nicht besonders, abendfüllend werden die Besuche hier also auch nicht unbedingt. Dafür ist die Location nicht konzipiert und könnte das kleine Reh im Logo sprechen, würde es wohl eher sagen: „Lust auf einen kleinen Kaffee?“, anstatt „Komm rein und fühl Dich wie zu Hause“.

Aber erstere Einladung würde ich hier jederzeit gerne annehmen.

Als Fazit könnte man sagen: Das Café befindet sich an der Grenze von Mitte zum Wedding und genau da ist es eigentlich auch gut ausgehoben.

Die Website des Karaca findet Ihr hier.

Zwischen verspielt und erwachsen – Das Milchmanns in Pankow

Zum Abschluss des Sommers besuchten wir Kaffehaustouristen ein kleines Eckcafé in Pankow: Das Milchmanns.

Lest, was Norman dazu sagt:
„Wir müssten mal eine Karte machen, wo wir schon überall waren“, sagt Ludwig, als wir uns heute in Pankow treffen. Das Café, das wir besuchen, heißt Milchmanns und liegt auf Ludwigs Hausstrecke. Aus meiner Perspektive eher schon jwd, und ja, auch mental schwingt immer noch etwas „Pankoff“ mit, ich gebe es zu.

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Wegen des schönen Wetters sitzen wir draußen und reden zuerst mal über den damals noch vor uns liegenden Halbmarathon in Steglitz. Den Kaffee dürfen wir aber auch nicht vergessen und deshalb starten wir mit Latte Macchiato (Ludwig) und einem großen Flat White (Norman). Der Kaffee ist nichts für Herzkranke, also genau richtig und bekommt die Prädikate „gehaltvoll“ (Ludwig) und „kräftig“ (Norman). Sehr schön – und auch nicht zu kühl – ist der Milchschaum.

Die zweite Runde besteht aus einem großen Flat White (Ludwig) und einem kleinen Americano (Norman). Erneut sind wir beide zufrieden mit dem Kaffeegenuss.

Während ich auf Ludwig wartete, hatte ich auch ein Stück Käsekuchen probiert, der mir gut schmeckte. Daher lautet mein Fazit: Durchaus einen Besuch wert, wenn man in der Nähe ist, aber kein Ausflugsziel à la Frohnau.

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Und das sagt Ludwig:

Am Milchmanns laufe ich mehrmals die Woche vorbei. Es gehört praktisch zu meiner Homebase in Pankow, liegt quasi im Nachbarkiez.

Umso schlimmer, dass ich noch nie drin war, im kleinen Eckcafé. Aber dafür gibt es schließlich die Kaffeehaustouristen und so fanden wir uns also dort wieder.

Das Milchmanns ist ein freundliches Café, bei dem sofort die riesige Rampe auffällt, die zur Eingangstür hinaufführt und die zum einen von einer erfreulichen Barrierefreiheit zeugt als auch signalisiert: Kinderwägen sind bei uns willkommen.

Draußen sind  ein paar weiße Tischchen und Stühlchen aufgestellt, was ein bisschen provisorisch aber nicht uncharmant wirkt. Und auch die kleinen, kaum zu erkennenden Schmierereien auf unserem Tisch wirken ein bisschen ungestylt, aber nicht störend.

Das ist vielleicht ohnehin etwas, das man über das Milchmanns sagen kann. Es ist irgendwie verspielt aber irgendwie dann doch wieder ein sehr gewöhnlich, so, als wollte man zwar einen gewissen Style pflegen, aber niemanden damit abschrecken, einzutreten.

IMG_8497Auch was das Angebot an Kaffee angeht, traut man sich nicht, Extravagantes anzubieten, dafür gibt es beim soliden Basisprogramm aber meist zwei Größen. Man bestellt an der Bar, bekommt das bestellte dann aber serviert. Ein bisschen Starbucks-Hip, ein bisschen classic Café.

Der verschnörkelte Boden, der einem sofort ins Auge springt, ist auch deshalb ein Eyecatcher, weil es so gar nicht zur kühlen Außenfassade zu passen scheint und man ihn beim ersten Eintritt somit so gar nicht erwartet.

Wäre das Milchmanns ein Mensch, dann würde ich sagen, es kann sich nicht so recht zwischen Kind und Erwachsenem entscheiden, gibt sich nach außen kühl und zurückhaltend, lässt aber doch das Verspielte immer wieder hindurchblitzen.

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Wäre ich ein Psychologe, würde ich ihm raten, sich für eines zu entscheiden und ruhig das Kind die Oberhand gewinnen zu lassen. Weniger Vernunft! Ein bisschen mehr Crazyness! Wir befinden uns hier schließlich nur wenige hundert Meter entfernt vom Prenzlauer Berg!

 

Räder an der Wand und Tassen auf den Tischen. Das Giro d’Espresso

Wir freuen uns ja immer über Empfehlungen und nehmen solche immer gerne an. Das Giro d’Espresso, wohin es uns diesmal verschlagen hat, wurde uns von Dirk Arendt empfohlen. Ob wir noch mit ihm reden wollen, lest Ihr hier. Doch nicht nur das: Als Special Guest war diesmal (bereits zum zweiten Mal) unsere liebe JO dabei. Hier lest Ihr… IMG_6298 was JO sagt: Der Dirk Arendt hatte uns nach Charlottenburg gelockt. Ins Giro d´Espresso. Und obwohl er durch Abwesenheit glänzte, hat sich dieser Besuch meiner Meinung nach wirklich gelohnt.

Ein nettes kleines Café, liebevoll dekoriert und eine interessante Karte. Ich hatte mich in der ersten Runde für eine Esspresso doppio macchiato entschieden. Und dieser konnte sich nicht nur sehen lassen.

In der zweiten Runde entschied ich mich für die „größere“ Variante: Latte Macchiato. Und auch dieser konnte nicht nur durch seine Optik überzeugen.

Mein Fazit: Ein sehr nettes Café, welches ich wahrscheinlich ohne Tipp nie gefunden hätte und mal wieder ein sehr unterhaltsamer Nachmittag, was allerdings nicht nur an der guten Kaffeequalität  lag, sondern natürlich auch der netten Begleitung in Gestalt von Ludwig und Norman.

latte macchiato Kopie espresso doppio macchiato Kopie

und das sagt Norman:

Charlottenburg, Nähe Danckelmannstraße: Hier liegt das Giro d’Espresso. In meiner Berliner Frühzeit hatte ich mir den damals sehr grün-alternativen Kiez angeschaut, dessen Einkaufsmöglichkeiten im Magazin Zitty angepriesen wurden. Doch das war nicht so recht meine Welt.

Nun also führte uns der Weg als Berliner Kaffeehaustouristen hierher. Zwei charmant hergerichtete ehemalige Ladengeschäfte wurden zu diesem Café gemacht, in dem ich mich als Gast auch gleich wohlgefühlt habe. Das liegt wohl auch daran, dass es sich nicht um ein wie ein UFO gelandetes seiner Umgebung aufgepfropftes Café handelt, sondern so wirkt, als sei es schon lange dort und im Kiez verankert. Italientypische Fotografien von Filmstars und von Radrennen, schicke Fahrradrahmen und eine eindrucksvolle Kaffeemaschine prägen den Gesamteindruck.

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Unsere Kaffeeauswahl war dank der Teilnahme von Jo vielfältig. Wir deckten das klassische Spektrum (Americano, Cappuccino, Milchkaffee, Latte Macchiato und Espresso doppio macchiato) gut ab und Ludwig konnte so den Espresso Stefano kosten, der mit Schokosirup verfeinert war.

Die verschiedenen Zubereitungen waren gut und wurden ansprechend präsentiert, der Kaffee heiß und kräftig. Alles normal, kein Third-wave-Schnickschnack.

Wenn man vom Lietzensee heraufkommt, dann liegt das Giro d’Espresso noch in Laufweite und kann einen Sonntagsspaziergang gut abschließen. Ob ich persönlich schnell wieder herkommen werde, weiß ich nicht. Der Kaffee und das Ambiente sind auf jeden Fall einen Besuch wert, aber man muss schon in der Ecke zu tun haben, etwa am Lietzensee. Von Rogacki her oder von der Krummen Straße ist es doch eher weit weg.

Und so sieht es Ludwig:

Mitten in Charlottenburg sind wir diesmal gelandet, auf eine Empfehlung von Dirk Arendt, der immerhin behauptet hatte, dass es im Giro d’Espresso den besten Espresso Berlins gebe.Das konnten wir natürlich nicht ungeprüft lassen.

Was sofort auffällt, wenn man das Cafe in der Knobelsdorfftraße betritt – und man die eher unscheinbare Eingangstür gefunden hat, was gar nicht so leicht ist, wie sich das jetzt hier anhört – sind die Rennfahrradgestelle (ohne Reifen) an der Wand, was zu spontanen Scherzen über die Sicherheit  des Kiezes einlädt. „Wenn sie schon die Reifen von den die Wand genagelten Rädern klauen…“

In der gleichen Straße befindet sich übrigens ein Geschäft, das „Bayerische Schmankerl“ verkauft. Tut hier nichts zur Sache, die Verschiedenartigkeit der Stile ist aber doch so berlinerisch, dass man das schonmal erwähnen kann, wenn zwischen deftigen Fleischwaren und filigraner Kaffeekunst nur wenige Meter liegen.

IMG_6290IMG_6283Jo sitzt bereits an einem langen Fenstertisch, als ich hereinkomme und berichtet, dass sie sich ihren Doppio Espresso Macchiato erstmal durch die Auflösung einer organisatorischen Verwirrung der sehr freundlichen Kellnerin erarbeiten musste. Neben ihrem kleinen Tablett steht ein für ein Café riesiges Wasserglas, das es hier zu Espresso dazu gibt. Inzwischen ist auch Norman zu uns gestoßen und wir lassen die Kaffeehausspiele beginnen.

Die Karte ist ist sehr umfangreich. Und was die zuvor erwähnte Vielfalt angeht: Es gibt hier nach eigenen Angaben 45 Sorten Espresso „zu kaufen und zu probieren“.

Neben Kaffee gibt es auch Tee und verschiedene Schokoladensorten, zum Beispiel aus Trinidad, Madagaskar und Ecuador. Auch Essen und Kaltgetränke mit und ohne Alkohol stehen auf der Karte. Aber wir lassen uns davon nicht ablenken und ich bestelle zunächst klassisch und unmutig einen Cappuccino (immer erst ein Klassiker und dann, im zweiten Gang, das Experiment), der sehr gut und kräftig ist.

Das Café wirkt sehr liebevoll gestaltet und man kommt sich ein bisschen so vor, als sei man von einem guten Kumpel eingeladen worden, der einem mal seine Kaffeesammlung zeigen möchte, weil das so seine große Leidenschaft sei. IMG_6285 Die Räder an der Wand wirken, als hätten sie eine bestimmte persönliche Bedeutung, die Bilder an der Wand wirken ebenfalls, als ob hier jemand seine eigenen Werke präsentieren möchte.

Man spinnt als Gast so seine eigene Geschichte: Vielleicht gehört das Café jemandem, der früher einmal eine Radrennen-Karriere hatte und sich nach seiner aktiven Zeit der Leidenschaft des Kaffees gewidmet hat. Wer weiß….?

Neben den Bildern und den Rädern gibt es auf kleinen Regalen direkt an den Tischen auch noch Bücher zum Thema Kaffee und Kaffeehäuser. Die verschiedenen Farben der Räume, die kunstvolle Decke und die Toiletten, die eher wirken, als befinde man sich in einer privaten Wohnung, als in einem öffentlichen Café, verstärken diese sehr persönliche Note. Und dabei wirkt das alles nicht willkürlich oder irgendwie zusammengewürfelt, sondern stimmig und durchdacht.

Irgendwie stört es einen dann auch gar nicht, dass es ein bisschen dauert, bis man seinen zweiten Kaffee bestellen kann und die – wie gesagt: äußerst freundliche -Kellnerin ein bisschen durcheinander wirkt – weil es zu dieser professionellen Unprofessionalität des Cafés passt, die immer dann charmant wirkt, wenn sie aus Leidenschaft geboren wird.

Das Giro d’Espresso ist ein sehr gepflegter und persönlich gestalteter Ort , dem man die Liebe zu dem, was er ist, an jeder Ecke anmerkt.

Dass man für laktosefreie Milch und Sojamilch 20 ct extra bezahlen muss, muss hier allerdings auch noch erwähnt werden. Das muss uns sollte nicht sein. Hallo, wir sind in Berlin!

Ich möchte nicht bestätigen, dass der Kaffee hier der beste in in der Hauptstadt ist, denn für die geschmackliche Bewertung ist ja eigentlich Norman zuständig (dafür sind außerdem noch viel zu viele Cafés von uns ungetestet), aber er ist schon wirklich äußerst gut und gepflegt. Allein wegen des Espresso Stefano lohnt es sich, wieder zu kommen.

Fremdgegangen 



Gelegentlich führt auch uns Berliner Kaffeehaustouristen unser Weg aus Berlin hinaus in andere Städte. So war ich in der vergangenen Woche in Heidelberg, wo ich das Gran Café Cappuccino entdeckte und gleich zweimal besuchte.



Latte Macchiato und tags darauf Milchkaffee waren heiß und kräftig, ein Stück Orangenkuchen wirklich gut! 

Das Ambiente war angenehm; ich fand das Café trotz der sehr hohen Decke gemütlich. Im Angebot sind verschiedene Frühstücke. Das Publikum war gemischt, die Bedienung freundlich.

Also insgesamt eine klare Empfehlung!

Im Club der Kaffeetrinker – Das Quchnia

Das Jahr ist noch jung und natürlich werden wir auch in diesem Jahr unsere Tour durch Berlins Cafés fortsetzen. Unser erster Besuch 2015 galt dem Quchnia am Gendarmenmarkt.

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Das sagt Norman:

Mitte, Gendarmenmarkt: einer der schönsten Plätze der Stadt, natürlich touristisch exponiert, aber gleichwohl ein Ort, den ich auch als Bewohner der Stadt gerne aufsuche. Was Essen und Trinken angeht, kann man an solchen Plätzen ja sein blaues Wunder erleben.
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Was sich im Laufe der letzten zwanzig Jahre zur Newton-Bar gesellte, waren nicht immer Etablissements, die in angenehmer Erinnerung geblieben sind: schwankende Leistungen, Touristenabzocke, Überfüllung, gähnende Leere – tutti quanti.

Das Quchnia hält sich nun schon eine ganze Reihe von Jahren. Der Slogan „Kaffee, Brot, Kultur“ deutet an, dass es kein typisches Kaffeehaus ist, sondern mehr im Angebot hat. Wir als Berliner Kaffeehaustouristen schauen aber in erster Linie auf den Kaffee.

Ludwig nimmt zunächst einen Cappuccino, ich einen Americano. Beide Tassen präsentieren sich völlig normal, die Biscotti auf unseren Untertassen sind süß und hart. Mein Americano ist kräftig, ein Pfützchen aufgeschäumte Milch in einem kleinen Kännchen kommt in der zweiten Tassenhälfte zum Einsatz und rundet das Aroma gut ab. Der Cappuccino sei unspektakulär, sagt Ludwig, der sich interessiert umsieht und Fotos macht.
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Dann wollen wir uns als wahre Kaffee-Afficionados erweisen und bestellen besondere Sorten in der Stempelkanne: Ludwig einen aromatisch-würzigen aus Kenia, ich einen ausgewogen-eleganten aus Kolumbien. Meiner soll ein feines Zitronenaroma haben, Ludwigs einen Hauch schwarzer Johannisbeere.

Der alsbald gebrachte braune Trunk – ohne Hinweise zur Ziehzeit – ist gut, aber nicht irgendwie besonders, und so guckt Ludwig auch leicht enttäuscht, als er probiert und keine schwarze Johannisbeere herausschmeckt. Ein Schuss Milch wirkt erneut aromafördernd und dann wirkt die Säure in meiner Tasse am Ende sogar leicht zitronig.

Geschmackliches Fazit: Wegen des Kaffees muss man nicht ins Quchnia, man sucht es eher wegen der Atmosphäre auf, die ein gemütliches Plaudern ermöglicht.

Und hier, wie Ludwig das sieht:

Zumindest, was die Lage angeht, muss man zum Quchnia nicht viel sagen. Es liegt direkt am Gendarmenmarkt, an einem der schönsten Plätze dieser Stadt, wie Norman bereits beschrieben hat.

Man muss übrigend trotz der guten Lage schon genau hinsehen, um den richtigen Eingang zu finden. Denn das Logo des Quchnia sieht aus wie eine Mischung aus O2-Shop und Nespresso-Store.

Wir waren am Abend dort, also war es draußen bereits dunkel. Naja, und drinnen eigentlich auch. Denn das Quchnia ist insgesamt irgendwie dunkel. Wenn ich das Café in einer Farbe beschreiben müsste, würde ich sagen, es ist braun.

Und „Café“ trifft es irgendwie auch nicht. Mit seinen großen, schweren Ledersesseln erinnert die Atmosphäre eher an einen Club – wo ältere Herren ihre Zigarren rauchen und schweren Rotwein trinken.
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Ein bisschen befremdlich wirken die Pelzkissen in den Fensternischen – jetzt einmal ganz unabhängig davon, dass ich Pelz ohnehin nicht leiden kann. Aber das nur ein kleines Detail für Empfindliche wie mich.

IMG_5268Das Café ist jedenfalls gut besucht und wir bekommen gerade noch einen Tisch, weil ein noch relativ junges Pärchen gerade geht. Ansonsten ist das Publikum übrigens relativ bunt gemischt, jung und typisch berlinerisch ist es aber nicht, was natürlich nicht gegen die Location spricht. Und natürlich gehört auch der Tourist mit Stadtplan hier dazu. Er sitzt an diesem Tag am Tisch hinter uns.

Die Bedienung ist freundlich, nicht aufdringlich und spannend sind in der Tat zunächst die Kaffeesorten, die in der Kanne serviert werden. Dass sie geschmacklich nicht ganz das halten, was in der Karte so schön beschrieben wird, ist ein bisschen schade. Probieren sollte man die Sorten aber dennoch, wenn man schon mal da ist.

Schließlich noch unser inzwischen schon berüchtigte Toilletten-Check, der ultimative Test, ob ein Café-Konzept komplett durchdacht und stimmig ist und wie weit die Liebe der „Kaffeehausbesitzer“ für das Interieur geht.Und hier ist das Quchnia leider völlig beliebig, es gibt keinerlei Besonderheit. Ein Klo wie tausend andere.

Alles in allem ist das Quchnia kein Ort, an dem man sich zu einem gemütlichen Kaffee trifft, es ist eher ein Ort für den späteren Abend, für einen späten Snack vielleicht, oder eben doch für das Glas Wein.

Dass es hier kein Internet gibt – zumindest hatte ich nicht einmal genug Empfang, um Bilder zu twittern – passt zum Bild eines Clubs mit Zigarrenrauch und Pelzkissen.

An einem Freitag im September…

Pankow. An einem Freitag im September probieren wir das „An einem Sonntag im August“.
Aber lest selbst.

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Sie sieht es Norman:

U-Bahn Eberswalderstraße, eine verkehrsum- besser -durchtoste Straßenkreuzung, dann die Kastanienallee, jene sagenumwobene Flaniermeile des neuen Berlin, damals, in den frühen 1990er Jahren. Hier liegt, gleich linker Hand und doch gefühlt schon weit weg von der hektischen Kreuzung, das Café „An einem Sonntag im August“.

Drinnen wird jener Prenzlauer-Berg-Look bewahrt/erzeugt/simuliert − wer mag das schon zu unterscheiden? − der mir stets fremd geblieben ist, um den ich mich, schließlich als Erwachsener nach Berlin gekommen, aber zugegebenermaßen auch nie bemüht habe. Irgendwie erinnert mich das Lokal ein wenig an „Mein Haus am See“, nur ist es heller hier. Ah, es ist das Holzgestell, das sich treppenartig erhebt und Sitzgelegenheit, Tisch und Bücherregal zugleich ist. Ansonsten zusammengewürfelte Sitz- und Tischmöbel und die kieztypische Zurschaustellung des Runtergekommenseins. Praktischerweise stellt sich diese ja von Tag zu Tag in größerem Umfang selbst ein; schwierig wird es erst, wenn ein bestimmter Grad von Verfall konserviert und − schöne Paradoxie! − immer wieder neu hergestellt werden muss.

Der Barista hat einen Hipsterbart, der Kellner einen Dutt. (Ich fühle mich wie in einer Erzählung von @nouveaubeton!) Die Karte ist breit aufgestellt und bietet auch beim Kaffee nicht nur das Alltägliche.

In der ersten Runde bestelle ich White Caffè Mocha, eine Kreation aus flüssiger weißer Schokolade, Espresso, heißer Milch und einer Sahnekrone. Gut, aber sehr süß. Ludwig bestellt einen Cappuccino, den er als sehr milchig und mit „erkennbar Single-shot“ charakterisiert.

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Die zweite Runde besteht für Ludwig natürlich aus einem Caffè Bombon, der schön anzusehen ist, beherzt durchgerührt und mit Genuss getrunken wird. Ich nehme einen sehr guten Espresso Macchiato, zu dem leider kein Wasser kommt. Es gibt auch keine Kekse, was wir aber beide nicht vermissen.

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Fazit: ordentlicher Kaffee, freundlicher, etwas träger Service; für mich kein Place to be.

Und das sagt Ludwig:

„An einem Sonntag im August“ liegt direkt auf dem Weg von meinem Büro nach Hause und ich fahre täglich zweimal daran vorbei – also außer, ich habe mal wieder mein Ladekabel auf dem Schreibtisch vergessen. Dann fahre ich viermal dran vorbei. Mir war jedenfalls schnell klar: Eine Location, die so einen Namen hat, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Und um das Urteil schonmal vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Eigentlich muss man sagen, kann man das Café nur der Einfachheit halber als ein solches bezeichnen, denn eigentlich ist es eine Mischung aus Bar und Café. Es finden sich schwere Ledersofas, klassische Café-Stühle und kleine runde Tische ebenso wie Barhocker und Holzcubes, die wie zu Sitzelementen umgewidmete Bücherregale wirken (inklusive der Bücher natürlich).

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Es ist schwierig, einen Gesamteindruck zu beschreiben, weil jede Ecke anders ist. Die Bar ist eine Bar, die ein bisschen aussieht wie ein großer Garderobenspiegel, mit kleinen Lampen umrandet.

Dann gibt es eine Ecke, die unfertig wirkt, eine weiße Wand, auf die man vermutlich etwas mit dem gegenüber an der Decke angebrachten Beamer projizieren kann.

Außerdem der erwähnte Stuhl- und Sofabereich, sowie die Lesecubes und schließlich auch noch einen mit einer Glaswand abgetrennten Raucherbereich. Der stört natürlich nicht, müsste für mich intoleranten und notorischen Nichtraucher aber nicht sein.

Zwei Skurrilitäten sind unbedingt erwähnenswert: direkt gegenüber von uns befindet sich ein mit einem Geländer umrandetes…naja…Loch im Boden, das ein bisschen an einen Bühnenschacht erinnert, aus dem sich Megastars herausheben oder –schießen lassen. Man kann nicht wirklich sehen, was dort unten ist – vermutlich die Küche – jedenfalls weist ein Schild mit der Aufschrift „Staff only“ darauf hin, dass dies ein Bereich hinter den Kulissen sein soll.

Und ebenfalls bemerkenswert sind – und das ist für mich ja immer ein wichtiger, weil vielsagender Aspekt – die Toiletten. Sie befinden sich hinter einer mit Kreide beschrifteten Tür und durchschreitet man diese, weiß man zunächst nicht, wohin man soll. Denn weder das Männchen– noch das Weibchensymbol ist auch nur andeutungsweise zu erblicken. Man ist inzwischen ja gewohnt, dass diese Hinweise bisweilen so stark stilisiert sind, dass man einiges an Interpretationsverständnis braucht, um sich vor einer eventuell peinlichen Situation zu bewahren, aber wenn man so gar keinen Hinweis hat…

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Vielleicht habe ich es auch einfach übersehen, denn der Toilettenbereich besteht aus – naja urbaner Wandmalerei und wirkt schon wieder so gewollt, dass man den Eindruck bekommt, sich in einer Filmkulisse zu befinden. Urbaner geht es eigentlich nicht.

Das Schöne an „An einem Sonntag im August“ ist, dass man nicht genau weiß, was hier jetzt alles gewollt ist, was genau so gehört und was eher zufällig so ist wie es ist.

Und auch die Musik wechselt vom nachmittäglicher Klaviermusik zu frühabendlichem Chillout, Deephouse und House.

Das Café (wir nennen es jetzt mal konsequent so) ist so unstrukturiert wie ein Sonntag sein sollte. Es lebt in den Tag hinein und lädt seine Gäste dazu ein, es genauso zu tun. Dabei zeigt es eine liebevolle Gelassenheit, die haarscharf an Gleichgültigkeit vorbeischrammt – ohne allzu schlampig zu wirken.

Achja – und das W-Lan-Passwort, das auf einem unscheinbaren DIN-A4 Zettel an eine weiße Säule getackert ist, funktioniert einwandfrei.

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Man kann übrigens auch draußen sitzen – wenn auch sehr nah an der viel befahrenen Kastanienalle – und kann dort zwischen Stühlen und Hollywoodschaukel wählen.

Natürlich fragt man sich, wie genau das Lokal eigentlich zu seinem Namen kommt – und findet ganz dezent einen Hinweis in einer kleinen Ecke der Getränkekarte. Näher erklärt wird es nicht.

Aber an einem entspannten Sonntag im Sommer fragt man nicht nach Erklärungen.